Strombilanzkreismodell

Kommunen sind dazu angehalten, ihre eigenen Gebäude mit regenerativ erzeugter Energie zu versorgen. Auf kommunalen Liegenschaften werden daher häufig PV-Module zur Stromerzeugung installiert. Die Installation ist jedoch nicht auf allen Gebäuden sinnvoll und möglich, beispielsweise aus geometrischen, statischen oder denkmalschutzrechtlichen Gründen. Darüber hinaus muss selbsterzeugter Strom, der nicht verbraucht oder gespeichert werden kann, zu einer relativ geringen Vergütung ins öffentliche Netz eingespeist werden. Gleichzeitig muss für andere kommunale Gebäude ohne eigene Energieerzeugung teuer Strom gekauft werden. 

Um diese Problematik zu lösen, wurde das Strombilanzkreismodell entwickelt.

Der Strombilanzkreis besteht aus Stromerzeugern und Stromabnehmern, die virtuell miteinander verbunden sind. Stromerzeuger sind kommunale Liegenschaften mit eigenen Energieerzeugungsanlagen, künftig zum Beispiel die Feuerwehr und die Lehrschwimmanlage. Stromabnehmer sind kommunale Liegenschaften ohne eigene Energieerzeugungsanlagen, wie zum Beispiel Kitas, die Stadthalle oder das Rathaus. Intelligente Messsysteme ermitteln die Menge an erzeugter Energie (an den Standorten der Stromerzeuger). Die erzeugte Energie wird nicht vollständig an den Standorten der Stromerzeuger verbraucht – es entsteht ein Energieüberschuss. Dieser Energieüberschuss wird berechnet. Der berechnete Energieüberschuss wird dann in den Standorten der Stromabnehmer verbraucht. Überschüssige Energie wird also gegen den Stromverbrauch von den Stromabnehmern gegengerechnet. Es ist keine physische Stromleitung zwischen Stromerzeugern und Stromabnehmern notwendig, da das Strombilanzkreismodell eine abrechnungstechnische Lösung ist. 

In der Praxis bedeutet das, dass nicht mehr alle kommunalen Gebäude mit einer eigenen PV-Anlage versehen werden, sondern dass es mehrere Standorte mit PV-Anlagen gibt, die mit dem erzeugten Strom andere kommunale Gebäude ohne PV-Anlagen mitversorgen. 

Zum Beispiel wird auf dem neuen Feuerwehrgebäude eine PV-Anlage installiert. Diese erzeugt mehr Strom, als für die Feuerwehr benötigt wird. Der überschüssige Strom wird ohne Strombilanzkreis unwirtschaftlich in das öffentliche Netz eingespeist. Mit Strombilanzkreis kann mit dem überschüssigen Strom z. B. die Kita in der Roten Schule versorgt werden. Die Kita benötigt keine eigene PV-Anlage und keine Stromleitung zur Feuerwehr. Ohne Strombilanzkreis müsste die Stadt teureren Strom für die Kita einkaufen.

Die Stadt Oelsnitz übernimmt mit der komplexen Umstellung auf ein Strombilanzkreismodell eine Vorreiterrolle. Künftig wird sie den Anteil an regenerativen Energien zur Versorgung kommunaler Gebäude erhöhen und Stromkosten sparen.

Zurzeit finden umfangreiche Abstimmungen mit dem Netzbetreiber Mitnetz sowie Vorplanungen statt. Der Strombilanzkreis wird 2027 eingerichtet.